Auch zur Kinderbetreuung habe ich einige Fragen erhalten. Sandra Reinke, die erste Vorsitzende des Family Inn, hat mir einige Fragen zur Kinderbetreuung gestellt. Diese Fragen und meine Antworten stelle ich für Sie hier zur Verfügung.
Wie sind Ihre Gedanken, Visionen, Pläne für die bedarfsgerechte und bezahlbare Kleinkinderbetreuung in Großkrotzenburg?
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass bezahlbare Kinderbetreuungsplätze in der heutigen Zeit unverzichtbar sind. Das betrifft nicht nur Kinder im Alter von 3 bis 6, sondern gerade auch Kleinkinder unter drei Jahren. Mir ist es wichtig, dass Plätze für jede Familie geschaffen werden, die einen Platz benötigt, denn immer mehr Eltern sind zu gleichen Teilen berufstätig. Gleichzeitig brauchen wir ein Konzept, bei dem alle Teile ineinandergreifen. Gerade beim Kinderhaus hat sich gezeigt, dass das nicht der Fall ist. Viele Eltern möchten ihre Kinder nach der Kindergartenzeit jetzt in den Hort schicken. Das ist aber nicht möglich, weil dort nicht genügend Plätze zur Verfügung stehen. Dieses Problem war absehbar und wurde beim Beschluss, das Kinderhaus zu bauen, nicht berücksichtigt. Zwar haben wir mit der Kinderburg sehr schnell auf den Bedarf reagieren können, aber wir haben trotzdem das Problem, dass der Elternwunsch nicht immer berücksichtigt werden kann.
Meine Vision in diesem Bereich ist es, dass die Eltern zwischen verschiedenen Angeboten und pädagogischen Ausrichtungen wählen können. Jedes Kind und jede Familie hat ihren ganz eigenen Bedarf und nur wenn wir das erkennen, können wir 1. unsere Kinder optimal fördern und 2. den Betreuungsbedarf decken.
Mehrere Krippenplätze schaffen in bestehenden Kindertaggesstätten oder in externe Einrichtungen ausgliedern (freie Träger, Gemeinde als Träger, Zuschüsse…?).
Der Bedarf ist enorm. Wir benötigen mindestens 60 Betreuungsplätze U3 bis 2013, um den gesetzlichen Mindestanforderungen zu genügen. Ich persönlich glaube, dass der echte Bedarf der Eltern weit höher als die gesetzliche Zahl liegt und gehe von 100 bis 120 Plätzen aus. Derzeit sehe ich nicht, wie mit den Kindergärten und Tagesmüttern und -vätern dieser Bedarf gedeckt werden kann und leider hat die Verwaltung trotz einiger Aufforderungen keine belastbaren Zahlen genannt.
Um hier eine Lösung zu finden, müssen die Eltern, die Gemeinde, die bestehenden Einrichtungen und die freien Träger zusammenarbeiten. Zum einen müssen wir in den bestehenden Einrichtungen und Initiativen jedes Potential nutzen, um Krippenplätze oder altersübergreifende Gruppen zu schaffen. Zum anderen benötigen wir wahrscheinlich auch neue Lösungen. Meiner Erfahrung können hier aus Elterninitiative phantastische Angebote entstehen. Denkbar sind z.B. ein Waldkindergarten, ein Montessori-Nido oder Kinderhaus und vieles andere. Die Gemeinde kann hier finanzielle und logistische Hilfe anbieten und muss diese allen Einrichtungen und Angeboten gleichermaßen zukommen lassen. Dabei muss das Wohl der Kinder im Vordergrund stehen und neue Einrichtungen dürfen nicht als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten aufgefasst werden, sondern viel mehr als Schritt zu dem gemeinsamen Ziel, Betreuung und Bildung nach den Bedürfnissen der Eltern und Kinder anzubieten.
Wie würden Ihre zukünftigen ersten Schritte in diese Richtung aussehen, um den immer größer werdenden Bedarf an Kleinkinderbetreuung gerecht zu werden?
Grundlage für die Schaffung neuer Plätze ist eine transparente und sichere Finanzierungsgrundlage. Deswegen sollte die Gemeinde weg von der pauschalen Einrichtungsfinanzierung hin zu einer Förderung der Kinder kommen. Dabei ist klar, dass Kinder unter drei Jahren einen höheren Betreuungsbedarf haben und deswegen stärker gefördert werden sollten.
Als grundsätzliches Fördermodell kann ich mir gut einen Bildungs- und Betreuungsgutschein vorstellen, den die Gemeinde jedem Kind ab dem ersten vollendeten Lebensjahr ausstellt. Die Eltern können den Gutschein dann bei der Einrichtung ihrer Wahl einlösen. Die Einrichtungen können dann von der Gemeinde je nach Alter des Kindes eine gewisse Förderung bekommen.
Möglicherweise können durch diese Betreuungsgutscheine nicht alle Ausgaben einer Einrichtung gedeckt werden. Derzeit ist die Betreuung in den Kindergärten beitragsfrei. Hier sollte überlegt werden, ob man nicht auf den vom Land Hessen geförderten Stand zurückkehrt und lediglich das Kindergartenjahr vor dem Schuleintritt beitragsfrei stellt. Dafür könnten die benötigten Beiträge dann über die restlich Kindergartenzeit verteilt werden und so die punktuelle Belastung der Eltern deutlich gesenkt werden. Diese tritt derzeit bei der Betreuung von Kindern unter Drei deutlich sichtbar auf.
Was können junge Mütter unter Ihnen als Bürgermeister erwarten, um in Zukunft Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können?
Ich würde die Antwort auch gerne auf die Väter und die Familien im Allgemeinen erweitern, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in zunehmendem Maße eben auch Väter und Familien betrifft.
Kurzfristig werde ich den der Verwaltung bekannten Bedarf sowie die zur Verfügung stehenden Angebote offen kommunizieren. Erst wenn wir die Fakten offen und ehrlich aussprechen und daraus entstehende Probleme anerkennen, können wir diese lösen.
Außerdem müssen wir den Betreuungsbedarf und die pädagogischen Wünsche der Eltern kennenlernen und regelmäßig (mindestens einmal pro Jahr) aktualisieren. Nur so können die Gemeinde und die Kinderbetreuungseinrichtungen planen. Diese Befragung möchte ich zusammen mit den Kinderbetreuungsangeboten zeitnah in Angriff nehmen. Klar ist, dass die Betreuungseinrichtungen und die Gemeinde nicht unmittelbar nach den Zahlen reagieren kann, aber wir müssen dann so schnell wie möglich versuchen, den Bedarf zu decken.
Ein weiterer Schritt ist meiner Vorstellung nach eine “Bildungs- und Betreuungskonferenz” – hier sollten sich interessierte Eltern, Kinderbetreuungsanbieter und die Gemeinde zusammensetzen, das Vorgehen abstimmen und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Wichtig ist es, diese Arbeit offen für jedermann sowie nachvollziehbar und transparent zu gestalten. Nur so können wir alle Bürgerinnen und Bürger einbeziehen und unerkannte Potentiale finden und nutzen.
Auch die Umsetzung des Bildungsplans 0 bis 10 stellt die Gemeinde und alle in die Kinderbetreuung und -erziehung eingebundenen Personen vor eine neue Herausforderung. Hier ist ebenfalls ein vernetztes Arbeiten – ähnlich wie in der “Bildungs- und Betreuungskonferenz” – sinnvoll.
Schön wäre es, wenn zumindest eine Kinderbetreuungseinrichtung wesentlich flexiblere Öffnungszeiten anbieten würde, da es Eltern gibt, deren Arbeitszeiten nicht mit den Kindergartenöffnungszeiten harmonieren. Hier ist es ebenfalls wichtig, den genauen Bedarf zu kennen, da beispielsweise die Tagespflegepersonen schon jetzt flexibel solche Anforderungen erfüllen können.
Die Umstellung auf eine Pro-Kopf-Förderung der Kinder und den Bildungs- und Betreuungsgutschein habe ich bereits weiter oben angesprochen. Hier liegt die Entscheidungsgewalt allerdings nicht beim Bürgermeister sondern in der Gemeindevertretung.

